Ausstellen von Bonsai in der Tokonoma ein Bericht von Hartmut Münchenbach (10.6.07)

Tokonoma ist eine Wandnische in traditionellen japanischen Räumen. Sie ist eine Art Ausstellungsraum, in der religiöse Dinge, Kunstgegenstände und auch persönliche Dinge aufbewahrt und ausgestellt werden. In der Tokonoma wurden immer auch Bonsai oder andere Pflanzenarrangements wie Ikebana oder Grasbonsai zur Verschönerung des Raumes ausgestellt.

In der Vergangenheit waren alle japanischen Räume mit Reisstrohmatten (Tatami) ausgelegt.
Das Mobiliar bestand aus einem niederen Tisch, die Bewohner saßen auf flachen Kissen, nachts wurde auf den Tatami- Matten geschlafen.
Aus diesem Grund ist die klassische Tokonoma ebenerdig, d. h. die “Ausstellungsebene” ist auf Fußbodenhöhe. Heute haben viele Japaner Wohnräume, die im westlichen Stil gehalten sind und mit dem Gebrauch von westlichem Sitzmobilar sitzt man höher. Daher ist es sinnvoll, die Stellfläche der Tokonoma vom Fussboden um die Höhe der Sitzfläche nach oben zu erhöhen. So ergibt sich wieder der ursprüngliche Blickwinkel. Diese Anpassung in modernen japanischen Wohngebäuden und in Museen ist auch bei uns die übliche Form der Tokonoma.
 
 
Die Größe der Tokonoma wird in Japan durch die Größe der Tatami-Matten bestimmt. Diese ist je nach Region unterschiedlich und bewegt sich um 90 x 180 cm. Je nach Raumgröße und dem zur Verfügung stehenden Platz variiert die Größe der Tokonoma.

Soweit ein kleiner Überblick über den Ursprung der Tokonoma. Wir sollten den Begriff Tokonoma nicht so eng sehen. Um einen Bonsai in seiner vollen Schönheit zur Geltung zu bringen, muss der Bonsai losgelöst vom Rest der Umgebung in einem Raum stehen, der nicht ablenkt und deshalb alle Aufmerksamkeit auf den Baum fokussiert wird.
Das kann ein Nachbau einer klassischen Tokonoma im Wohnraum oder einer Ausstellung sein oder aber auch eine leere Wand im Bonsaigarten bzw. ein Fotohintergrund im Studio sein.

In der Tokonoma wird der Baum in Verbindung mit Tisch, Begleitpflanze und deren Holzunterlage, Rollbild, Suiseki oder Bronzefigur präsentiert. Es entsteht eine Komposition die über den Baum hinaus eine Landschaft wiedergeben oder eine Stimmung erzeugen kann.
 
 
Einige Grundsätze und Regeln zum Ausstellen in der Tokonoma:

Die von Hans Kastner auf der vergangenen Fortbildung aufgezeigten Grundsätze für das Ausstellen von Bonsai will ich hier nicht noch einmal wiederholen. Eine unsaubere Schale, mit Unkraut bewachsen, würde würde in einer Tokonoma noch mehr ins Auge fallen.

Da das Ausstellen in der Tokonoma ein “künstlerischer Akt” ist, können auch keine genau einzuhaltenden Regeln, schon gar keine Maße und Maßabstände vorgegeben sein. Allzu genaue Vorgaben engen auch ein und beschneiden die Kreativität.

Ich möchte nur einige Gedanken einbringen:
 
 Komponenten

Neben dem Bonsai mit passendem Tisch finden meist zwei weitere Elemente, die Beistellpflanze mit Holzunterlage sowie ein Rollbild, Verwendung. Statt der Beistellpflanze kann ein Suiseki oder eine Bronzefigur den Baum ergänzen. Alle Elemente sollen von gleich hoher Qualität sein und müssen zueinander passen. Es gibt nichts Schlimmeres als ein unpassender Tisch, nur damit ein Tisch vorhanden ist. Das gleiche gilt für das Rollbild. Leider wird auch auf den Clubausstellungen die Qualität der Bäume durch Tische nicht immer verstärkt, durch einen unpassenden Tisch wird die Gesamterscheinung des Baumes herabgesetzt.
Die wenigsten Bonsailiebhaber haben eine allzu große Auswahl an Tischen zur Verfügung, aber bei rechtzeitigem Bemühen kann vielleicht ein Bonsaikollege mit seinem Tisch aushelfen. Vielleicht wäre auch das Leasen von Tischen gegen Leihgebühr für Ausstellungen eine Lösung.

Es müssen nicht unbedingt immer alle drei Elemente verwendet werden. Manchmal ist es passender und ausreichend, einen Bonsai mit einer schönen Begleitpflanze zu präsentieren, als wenn noch irgendein Rollbild dazu gehängt wird.
 
 
Aussage / Thema

Die Elemente sollen nicht zufällig zusammengestellt werden. Der schönste Baum und die schönste Beistellpflanze führen oft zu einem unbefriedigenden Ergebnis. Ich überlege mir zuerst “was ich zeigen will”. Zu einer Bergkiefer, gezeichnet von harten Lebensbedingungen, suche ich mir eine Beipflanze aus, die ebenfalls aus dieser Region stammt oder den kargen Charakter dieser Region wiederspiegelt. Dazu ein Rollbild mit einem Gipfel oder Wolken mit starkem Wind. Die Beistellpflanze kann hier auch durch einen Suiseki ersetzt werden.

Unpassend wäre eine Beistellpflanze die sehr hoch wächst – der starke Wind in den Bergen lässt die Blumen nicht sehr hoch werden, diese sind alle am Boden angeschmiegt – oder ein Rollbild mit einem Spatz (Vogel), der im Tal innerhalb der Dorfer lebt.
 
 
Die Jahreszeit muss aus dem Arrangement erkennbar sein.

Um Vorfreude auf die kommende Jahreszeit zu wecken, soll die Komposition der aktuellen Jahreszeit etwas vorauseilen.

Ein Frühjahrsarrangement kann das Frühlingserwachen aufzeigen, etwa eine Konifere mit dem schon satteren Grün und eine erste zaghafte Blüte, oder der Frühling in seiner vollen Pracht, z.B. ein frisch austreibender Ahorn mit einer üppiger blühenden Beipflanze oder ein blühender Kirsch- oder Aprikosenbonsai

Pfronten_Toko_Fr_hl

Den Sommer symbolisieren Laubbäume, Grasbonsai als Begleitpflanzen. Japaner verwenden Bambusunterlagen nur zur Sommerzeit für die Begleitpflanzen.

Herbst: besonders Laubbäume in der Herbstfärbung, früchtetragende Bäume und Beipflanzen mit Früchten und Samenständen. Rollbild ein fallendes Blatt, Früchte usw.
 

Pfronten_Toko_Herbst1

Pfronten_Toko_Herbst2

Pfronten_Toko_geneigter_Stamm

Winter: Wie alle Jahreszeiten zeigen uns vor allem die Laubbäume die Jahreszeit. Eine blattlose Ulme, ein Ahorn mit seiner feinen und dichten Verzweigung gibt die Jahreszeit besonders deutlich zu erkennen. Hierzu würde eine immergrüne Beipflanze, ein Moos, ein letztes grünes Blatt passen. Nimmt man eine Konifere als Baum, muss die Beipflanze die Jahreszeit zeigen, etwa vertrocknete Gräser mit Samenständen usw.

Pfronten_Toko_Winter

Weniger ist mehr!

In Japan dominiert die Leere, bei uns der Überfluss! Schauen wir uns japanische Kunst, egal ob Malerei oder Poesie an, fällt uns auf, dass sehr wenig Konkretes vorhanden ist. Bilder bestehen nur aus einzelnen Pinselstrichen, Gedichte aus wenigen Zeilen und Silben. Auch die Architektur weist gleiche Züge auf. Die traditionellen Räume sind relativ leer im Vergleich zu unseren europäischen Wohnungen. Oder auch Japangärten... Wir sollten versuchen, nur mit den notwendigsten Elementen unser Ziel zu erreichen. So kommt man dem Ziel von Wabi und Sabi näher als mit Überfluss.
 
 
keine symmetrischen Anordnungen

Die Abstände zwischen den Objekten sollen ungleich sein, ähnlich der Anordnung von Gruppen und Waldpflanzungen. Wobei die Schwierigkeit darin besteht, den passenden Abstand zu finden. Nur durch Probieren und ständigen Betrachten und analysieren von solchen Aragements kann ein Gefühl für die Proportionen entwickelt werden.
 
 
keine Wiederholung von Elementen

Schalen von Bonsai und Begleitpflanze sollen sich in Farbe und Form unterscheiden, Unterlage bzw. Tisch für Baum und Begleitpflanze dürfen auch nicht in Form, Höhe und Design/Farbe gleich sein. Gleiches gilt für Baum und Rollbild. Zu vermeiden ist ein blühender Kirschbaum und Rollbild mit Kirschblüte, ein Bonsai mit Suiseki und Rollbild mit Berg, rotes Laub beim Ahorn im Frühjahr oder Herbst und rotblühende Beipflanze, rote Früchte usw.
 
 
nur erstklassige “Zutaten” verwenden

Aus normalen Zutaten kann ein guter Koch immer noch ein raffiniertes Gericht bereiten, bei erstklassigen Zutaten braucht es relativ wenig Kochkunst um Gaumengenuss zu erreichen. Spitzenzutaten und ein Spitzenkoch schaffen Meisterliches. So wollen wir es mit dem Ausstellen von Bonsai auch halten. Durch geschickte Kompositionen können auch “Allerweltbonsai” interessante Anblicke bieten, leichter lassen sich gute Ergebnisse mit wirklich erstklassigen Bäumen und Accessoires erzielen.
 
 
Neue Wege

Es ist richtig, sich an den japanischen Vorgaben zu orientieren, sie haben diese Kunst über einen weit längeren Zeitraum praktiziert und verfeinert. Trotzdem darf nach eigenen Wegen gesucht werden. Dieser Aspekt konnte in der Fortbildungsveranstaltung nur noch ganz kurz angerissen werden und ist mangels Zeit nur kurz am Beispiel Rollbild-Ersatz aufgezeigt worden
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Hartmut Münchenbach

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 Garten





Hartmuts Fichte auf Stein

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Welcher Baum ist denn nun älter?

Baumbesprechung

Pfronten_Baumbesprechung

Welche Äste müssen denn nun weg?

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Pfronten_Begutachtung

Begutachtung des mitgebrachten Materials

Vortrag mit kleiner und großer Tokonoma

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Pfronten_Werners_Tokonoma

Werner’s Tokonoma für Shohins